| Sangha Myers ( @ 2008-07-06 17:26:00 |
| Current mood: | |
| Current music: | Placebo - Slackerbitch |
| Entry tags: | bandfic, diexkaoru, german, kaoruxdie, leben-in-der-anderen, multi-chaptered |
KaoruxDiexKaoru: Das Leben in der Anderen - Kapitel 5
Titel: Das Leben in der Anderen
Autor:
sanghamyers
Altersfreigabe: ...ab 16?
Genre: Parodie / Romantik / Humor / Shounen ai
Zusammenfassung: Die ist ein Aufreißer, ein weiberverschlingender, notgeiler Bock. Doch eines wunderschönen Morgens wacht er auf und nichts ist, wie es einmal war. Zumindest nicht an ihm. Kann Kaoru helfen? Denn DAS glaubt Die doch keine Sau!
Anmerkungen: Riesen Dank an die Kommi-Schreiber vom letzten Kapitel! <3 Gomen fürs lange Warten. Ich bin lahm, oft nicht da und dauernd unter Stoff. Schreibt man nicht gut, wenn man die Tasten nicht trifft. XD Mal eine Frage am Rande: Wären euch kürzere Kapitel lieber? Bin da nur mal neugierig. Zum aktuellen Kapitel: ich mag es nicht. Zieht sich halt ein bisschen, aber kürzer kann ich es nicht machen, sonst macht es keinen Sinn am Ende. Und es werden noch viele Kapitel werden, befürchte ich. Na, mal viel Spaß...
Kapitel 1 / Kapitel 2 / Kapitel 3 / Kapitel 4 / Archiv
Wenn man wie Kaoru dachte, so musste man zugeben, es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Und darauf erhob er sein Bier und nahm einen kräftigen Schluck aus dem Glas, welches er soeben an der Hotelbar erhalten hatte.
Nachdem sie alle eingetrudelt waren, hatten sie sich ein lauschiges Plätzchen in einer bequemen Sitzgruppe gesucht. Doch auch hier musste der Bandleader schnell feststellen, dass man ihn auf einen der äußeren Sessel verfrachtet hatte, damit die restlichen Bandmitglieder um die große Unbekannte herum auf dem kleinen rundlichen Sofa Platz hatten. Es sollte Kaoru ja recht sein, eigentlich, denn er hatte schon eine Die-Überdosis gehabt seit dem vorigen Tag, aber er fand das Benehmen seiner Freunde allgemein ziemlich affig.
Kyo tat ganz verständnisvoll, lieb und versuchte mit einem gewissen Intellekt bei ‚Daiyana' zu punkten, die aber doch sowieso über alles kicherte und ihre ganz eigene Meinung hatte. Dabei war sie nicht mal intelligent und trotzdem bekam sie von allen Seiten Zustimmung, auch von Kyo.
Shinya beäugte sie ruhig, lächelte so süß er konnte, wann immer sie in seine Richtung schaute und er sorgte ganz unauffällig für den nötigen Nachschub an Alkohol. Den Eindruck zu erwecken, er sei sorgsam, das lag dem Trommler eben. Doch eigentlich wollte er ebenso nur unter den Rock von Dies angeblicher Cousine wie alle anderen. Traurig, aber wahr.
Und Toshiya konnte das alles schlicht und einfach durch Dreistigkeit wett machen. Gegenüber Kyo war er keine Konkurrenz in Wortgewandtheit oder Rhetorik, und im Vergleich zu Shinya schien dieser ihm stets taktisch überlegen. Doch Toshiya war einfach, seine Witze geradeaus, seine Denkweise bescheiden und sein Gesicht süß, wenn man nach den Aussagen der weiblichen Fans ging. Darum also hatte er körperlich die Nase vorn, indem er ohne Nachzudenken seinen Arm zunächst auf der Lehne hinter Die, dann ab und zu auf ‚ihren' Schultern oder dem Rücken ablegte, sie wie durch Zufall immer wieder berührte, wenn man gemeinsam lachte, oder aber einfach nur direkt anzumachen versuchte.
Die schien das an sich gar nicht zu stören. Er grinste dumm vor sich hin und ließ sich einen Drink nach dem anderen spendieren, faselte über Gott und die Welt, nur nicht über sich, und hatte anscheinend tatsächlich Spaß.
Nur Kaoru saß da und wusste nicht genau, ob er den Drang verspürte, Die nicht eine Maulschelle zu verpassen, falls er ihn auch nur noch ein einziges Mal frech anzwinkern würde. Das tat er nämlich ab und zu aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht weil er dachte, Kaoru sei so etwas wie sein Komplize, oder aber weil Die glaubte, er müsste vor ihm prahlen, wie gut er schauspielern konnte.
Wie auch immer, es war ein Alptraum mit an zuschauen, wie sich Kaorus Kollegen zu Idioten vor ihrem eigenen Rhythmusgitarristen machten. Wie blöde musste man eigentlich sein? Denn mal ehrlich, so geil sah die sogenannte Daiyana ja nun auch wieder nicht aus. Sie war eher schlaksig, ein bisschen zu groß, ein bisschen zu dünn und weniger rundlich an den dafür eigentlich vorgesehenen Stellen. Das einzige, was selbst Kaoru ihr zugestehen musste, waren die langen Beine. Und vielleicht noch der samtig aussehende Teint. Okay, und die Lippen. Aber das war es dann auch!
Was Die natürlich gekonnt ausspielte, war der ihm von Gott gegebene natürliche Charme, seine positive Ausstrahlung, das Zahnpastalächeln und, leider musste man es hier erwähnen, seine nicht allzu quantitativ vorhandene Intelligenz. So ein markantes Zeichen konnten Männer auf hundert Meter gegen den Wind riechen. Eine dumme Frau fiel in das Beuteschema eines jeden Mannes, da im Zweifelsfall das Geschlechtsorgan regierte und die Befehle gab, welches bekanntlich auch nicht im Denkzentrum einen Platz hatte.
Sprich, der Penis wusste, dumm fickt gut.
Doch Kaoru hatte niemals so gedacht. Nicht, nachdem er seinen ersten Groupie gehabt hatte und mit Verdacht auf eine Chlamydieninfektion einen europäischen Urologen konsultieren musste. Schrecklich war das gewesen. Allein schon beim Gedanken an damals stehen Kaorus Nackenhaare zu Berge, auch wenn das schon viele Jahre her ist. Er hatte den Mann nicht einmal verstanden und war sich sicher, dass er den damaligen Dolmetscher nach seiner sexuellen Orientierung befragt hat.
Angst, pure Angst, hatte Kaoru damals um seinen kleinen Freund gehabt. Doch wie sich herausstellte, konnte man so etwas heutzutage schon mit Medikamenten behandeln und so ging der ekelige Juckreiz schnell vorbei. Der Bandleader allerdings hatte den Groupies von da an abgeschworen. Sein Glück schien eben allgemein nicht groß zu sein, wenn es um Frauen ging. Darum konnten sie auch so gut ficken, wie sie wollten. Wichtig war nur, dass sie bakterien- und keimfrei waren.
Wobei sich Kaoru da bei Die nicht sicher war. Bei dem Verschleiß an fremden Weibern. Ob sich Geschlechtskrankheiten übertragen haben, als sich Die von einem Mann in eine Frau verwandelt hatte? Wenn er denn wirklich welche hatte, denn auf der anderen Seite war Die auch ein sehr reinlicher Mensch, für dessen Arsenal an Hygienemitteln man einen zweiten Tourbus chartern sollte. Er rasierte sich manchmal zweimal täglich! Kein Wunder, dass er als Frau mehr und mehr erkannte, dass er so glücklicher ist! Ob er sich auch bald das Schamhaar abrasieren würde? Hatte er überhaupt noch welches?
Das alles fragte sich Kaoru auch nur, weil er sonst nichts Besseres zu tun hatte, dort, so ganz einsam an seiner Bar. Nachdem er es nicht mehr hatte hören können, die Flirterei zwischen Die und den anderen Jungs ihm zuwider geworden war, hatte sich der kleine Bärtchenträger lieber aus dem Staub gemacht auf einen der abgesondert stehenden Barhocker. Lieber alleine als gar keinen Spaß!
Die allerdings spürte an der anderen Seite das Raumes, wie ihm der Alkohol langsam zu Kopf stieg. Vielleicht vertrug sein neuer Körper nicht so viel? Nicht, dass der alte das getan hatte. Doch gerade jetzt und hier hatte Die Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, um nicht womöglich auch noch etwas zu sagen, das er später bereuen könnte.
Des Weiteren kam ihm Toshiya langsam wirklich zu nahe. Das bisschen Getätschel war ja schön und gut, denn Die als Mann - ja, sein Hirn war noch männlich genug das einschätzen zu können - konnte nur über Toshis lahme Versuche lachen. Anfänger. Langsam aber waren seine Schultergriffe etwas zu nervig, wenn er seine schwitziges Basspfoten an Dies Top abwischte.
Leider nahm der Alkoholkonsum seiner Freunde ebenso stetig zu und damit verloren sie alle auch ihre Hemmungen. Und dank Shinya war Dies Glas immer voll, wie er mit der Zeit zufrieden feststellte.
"Ich geh mal Nachschub holen," meinte der Drummer einmal mehr mit einem Auge zwinkernd und lächelte Die an, bevor er aufstand und Richtung Bar wackelte.
"Verdammt. Ich muss pissen," nuschelte Toshiya und hatte selbst beim Nuscheln noch zu kämpfen, denn sein Kopf erschien wie seekrank, schwankend. Dennoch mühte er sich nach oben und torkelte sich aus der Sitzgruppe frei. "Lauf nicht weg, Dai. Bin gleich wieder da."
Winkend verließ er die beiden Übriggebliebenen und schaute noch einmal nach hinten über seine Schulter, um Dai einen Luftkuss zu schicken, was allerdings beinahe darin endete, dass er über einen der anderen Tische gefallen wäre.
Ziemlich hacke, dachte sich Die und fühlte plötzlich eine Hand auf seinem nackten Knie.
Kyo.
Kyo?!
"Hey, lass uns tanzen gehen." Kyo??? Er streichelte sachte über Dais seidenweiches Knie und versuchte die Frau mit seinen Kulleraugen zu hypnotisieren.
Doch Die kannte diese Augen schon viel zu lange, als dass er auch nur irgendETWAS empfand beim Anblick der Psychoglupschen. Viel mehr Angst machte ihm, dass Kyo, der sich bisher wirklich noch zurückgehalten hatte, plötzlich tanzen wollte. TANZEN. Kyo!
"Ich muss mal!", platze es panisch aus Die heraus, bevor er von seinem Platz aufstakste und den Sänger entschuldigend ansah. "Meinen Lippenstift auffrischen und so Sachen..."
Mit Runzeln auf der Stirn nahm der Sänger dies zur Kenntnis und seufzte.
Uuh, was war das denn? Den Kopf starr nach unten gepresst, setzte Die schön einen weißen Stiefel vor den anderen, immer in Richtung Toilette. Dort würde er sich in Sicherheit wiegen können. Und nur dort!
Doch genau dort sollte er so schnell nicht ankommen, denn etwas packte ihn plötzlich um die Hüfte und drehte ihm im Kreis, so dass ihm schon ganz schwindelig war. Übermut tut selten gut und Die kannte eigentlich nur einen, der immer übermütig war. Genau dieser grinste ihn freudig an, als er endlich stoppte und seine Riesenhände natürlich nicht von der schönen, schmalen Taille nahm.
Bah, Die war noch ganz übel vom vielen Drehen und so ein bisschen war es ja auch gut, dass er sich in Toshiyas festem Griff befand, sonst wäre Die höchstwahrscheinlich zu Boden gesackt. Nichtsdestotrotz befand sich sein Gesicht nach seinem Geschmack gerade etwas zu nah an dem des Bassisten und darum drückte Die ihn auch von sich. Das darauffolgende Schmollen war ihm egal und so langsam verlor Die echt die Lust an der ganzen Sache hier.
"Komm zurück, Dai."
Ignorieren! Einfach ignorieren, dachte sich Die jedoch.
Und nebenbei bemerkt, wo zum Teufel war eigentlich Kaoru?
Zunächst einmal bog Die tatsächlich zur Toilette ein, richtete sich die Haare und schaute, ob sein Lidstrich noch in Ordnung war. Dann machte er sich auf Leadersuche. Der musste ja auch noch hier irgendwo sein, denn Die könnte schwören, er hatte ihn vor Kurzem erst noch irgendwo gesehen. Nur wo war das noch gleich wieder gewesen?
An der Bar! Genau. Jetzt, wo er ihn dort sitzen sah, fiel es auch Die wieder ein. Glücklicherweise schien Shinya mit den Drinks jetzt wieder am Tisch zu sitzen neben Kyo, der ein wenig schmollte, weil Dai nicht mir ihm tanzen wollte, und Toshi versuchte wohl einfach nur seine Aura wirken zu lassen, als er der hübschen Frau zuwinkte. Nun ja.
Lieber ging diese aber den Bandältesten aufsuchen. "Eh Kao."
Man(n) beachtete an dieser Stelle wieder das Namenskürzel. "Mmh?"
Der Ältere sah auf und legte den Kopf schräg, ein wenig müde wirkend, vielleicht leicht genervt oder aber einfach nur gelangweilt. Die konnte es nicht einschätzen, also machte er sich darüber auch keine Sorgen weiter. Wäre ja auch neu.
"Können wir zurück aufs Zimmer?"
Die Fragestellung an sich verstand Kaoru nicht ganz. Logisch konnten sie aufs Zimmer, nur auf welches? Sie teilten ja keins. Das Wir deutete in jedem Fall auf Die und Kaoru, sie beide, und nicht nur einen allein. Verwunderlich, denn Die konnte doch sonst alles so gut allein! Warum ließ er sich nicht einfach von den anderen aufs Zimmer bringen? Er war doch so ultracool, dass er sich unbedingt den ganzen Abend lang von ihnen aushalten lassen musste. Wieso also den guten alten Kaoru fragen, ob er die feine Dame nun aufs Zimmer bringen würde?
Eifersüchtig? Kaoru? Nie!
"Mjah." Brav nickend entschloss er sich jedoch vorerst den Wünschen von Die zu entsprechen, denn es brachte ja doch nichts, wenn sie sich nun streiten würden. Oder schlimmer: Die würde tatsächlich einen der anderen bitten, ihn nach oben zu bringen. Musste ja nicht sein, denn es war einfach zu gefährlich und wenn es um Gefahr ging, da war nun mal der Leader der Mann, den es zu holen galt!
"Trink halt aus. Ich sag den anderen Tschüss," lächelte Die breit und schlenderte zurück zu den restlichen Mitgliedern von Dir en grey.
Gott, in manchen Situationen war es doch wirklich nicht schwer, keine Frau mehr zu sehen, sondern den alten Die von früher! So ging es jedenfalls Kaoru, wenn er das Atomgrinsen des Rhythmusgitarristen sah. Das war dann so was von Die! Das war noch viel Die-er!
Seufzend begab er sich auf den Weg um seinem Lieblingskollegen hinterher zu trotten und bekam im typischen Leaderhalbschlaf auch noch etwas von dessen AbschiedsAUSrede mit.
"Ich muss dann jetzt gehen, Jungs. Ihr wisst ja, dass ich eigentlich Kaoru versprochen hatte, mich ein wenig mit ihm zu unterhalten. Na, und jetzt sieht er halt eben schon ein bisschen geknickt aus, ihr versteht?" Mit einem Winken der Hand und einem passenden Augenverdreher lächelte Die seine kleine Lüge charmant und klapperte ein wenig mit den Wimpern den schmollenden Mündern zu. "Ihr kennt ihn ja. Besser als ich sogar, ne? Also... da sind halt so organisatorische Dinge und blah, das will er mit mir absprechen. Egal. Wir sehen uns morgen!"
Damit drehte sich Die um und lief winkend zur Tür.
"Niikura, du alte Spaßbremse!", warf Toshiya dem Bandoberhaupt dann auch gleich mal an die Birne und schaute ihn missbilligend an.
"Echt mal. Danke für die Unterstützung!", schnaubte Shinya ihm von hinten sarkastisch in den Nacken und verzog böse das Gesicht.
"Was denn? Die Zeit ist halt um und Ende. Ist doch nicht mein Bier, wenn ihr nicht schnell genug seid." Patzig streckte Kaoru ihnen den Mittelfinger entgegen und drehte sich um, damit er mal fix hinter Die hermachen konnte.
Richtig mutig war er gewesen! Und so was von schlagfertig, dass er noch immer mit stolzem Grinsen dastand, als er und Die bereits im Fahrstuhl standen.
"Und? Hat dir der Abend gefallen mit den Jungs, ja?" Hoffnungsvoll sarkastisch blickte Kaoru rüber zu der Frau, die gerade prüfend ihre Fingernägel beäugte. Hören wollte der Leader nur mal einen Satz wie ‚Nein Kao, das war alles furchtbar anstrengend und ich will nur noch ins Bett. Tut mir leid, dass ich dich so lange allein gelassen habe.', aber es schien ihm vergönnt zu sein. War es nun darum, weil es schon zwei Sätze gewesen wären, die sich in Kaorus Hirn zu Worten formten, oder weil es einfach niemals über Dies Lippen käme.
"Ja, doch. War nett. Sie werden nur langsam aufdringlich und schwul bin ich Gott sei Dank nicht." Schulterzuckend verzog Die sein Schnäuzchen noch einmal zu einem kleinen Lächeln und verließ den Lift, als sie ihre Etage erreicht hatten.
"Die wissen ja auch nicht, dass du ein Kerl bist." Das war irgendwie auch nicht ganz fair ihnen gegenüber, wie Kaoru fand, aber es war dennoch besser so.
"Darum musst du mich ja auch hochbringen. Du bist ungefährlich," gab Die verständnisvoll nickend zurück und machte an seiner Zimmertür halt. "Also dann. Ich geh pennen. Bis morgen."
Ohne einen weiteren Blick zurück hob Die die Hand und öffnete mit der anderen die Tür, so dass er wenige Sekunden später in dem Raum verschwand. Zurück blieb wie immer nur Kaoru, seufzend. Aber der konnte eigentlich nur froh sein, dass Die sicher in seinem Zimmer verstaut nun schlafen gehen würde. So war es am besten und beruhigt ging auch Kaoru auf sein Hotelzimmer, schloss die Tür hinter sich ab und entledigte sich langsam seiner Sachen.
Endlich schlafen! Das war vielleicht ein Tag gewesen, fast so irre wie der davor. Sich um Die zu kümmern war fast anstrengender, als Chef einer coolen japanischen Untergrundrockband zu sein.
"Wollt ihr wissen, was ich denke?", fragte Kyo die anderen zwei Verbliebenen, während er mit verschränkten Armen noch immer bis jetzt still an seinem Platz saß. Shinya war bereits dabei seine Jacke anzuziehen und Toshiya spielte mit dem Bierdeckel vor sich auf dem Tisch.
"Sag," meinte er nur kurz und schnaubte noch einmal. Die ganze Stimmung war hinüber, seitdem Daiyana weg war und er hatte so einen unbeschreiblichen Hass auf Kaoru im Moment, dass er ihn am liebsten gegen das Schienbein treten wollte.
"Dass Kaoru versucht uns vorzuführen. Er hat ja so angeblich null Interesse an Daiyana! Und integriert sich null bei uns hier am Tisch! Aber kaum kriegt sie Mitleid mit unserem Spalter, kriecht er vor ihr auf dem Zahnfleisch." Eigentlich führte Kyo nur Fakten auf - oder war das etwa schon die Begründung für seine Theorie?
"Und was sagt uns das?", fragte dann letztlich Shinya, der ebenso darauf wartete, dass Kyo seine Gedanken weiter ausführte und nicht nur dasaß wie der allwissende Messias.
"Ja, spuck es aus!", forderte Toshiya lallend und zündete sich noch eine Zigarette an.
"Na, ganz einfach, ihr Nasen! Entweder haben sie schon was miteinander und versuchen es zu verheimlichen ODER - und die Variante wäre mir lieber - Kaoru ist doch scharf auf sie und hey, ihr kennt ihn. Klar, er mag es nicht draufhaben mit den Weibern, aber Tricksen und Manipulieren, das liegt dem. So blöd ist der nicht, wie er immer tut." Kyo war sich 100 Prozent sicher. Schon oft hatte er gesehen, wenn Kaoru Gespräche so lenkte, wie er sie wollte, ohne dass seine Gesprächspartner davon etwas mitbekamen. Oder aber er stellte sich unwissend bei manchen Dingen, so dass ihnen allen niemand was konnte, wenn sie doch mal Mist verzapft hatten. Nein, Kaoru war kein Dummer und sollte er wirklich ein ernsthaftes Interesse an Daiyana hegen, so würde er sich auch reinknien, so viel war sicher.
"Wir haben ihn doch aber gefragt." Es konnte ja sein, dass Toshiya das zu blauäugig sah, aber wenn der Leader die hübsche Daiyana hätte haben wollen, so hätte er das doch zugeben können. Darum wurde er schließlich gefragt!
"Und was hättest du gemacht, wenn er gesagt hätte, er hat nichts mir ihr, aber er würde sie gerne flachlegen wie wir alle? Ist vielleicht sogar ein bisschen verknallt, der Gute, um es mal spannend zu machen," gab Kyo zum Vorschlag und Shinya musste bereits grinsen, da er wusste, worauf Kyo hinauswollte.
"Angenommen?" War das jetzt reine Spekulation? So etwas musste man einem angetrunkenen Toshiya schließlich sagen. Das Nicken von Kyos Kopf bestätigte jedoch die Frage alsbald. "Weiß nicht. Ich hätte ihm gesagt, er soll es versuchen, aber kommt er nicht an, sein Pech. Dann sind wir an der Reihe."
"Ha! Und wie lange hättest du ihm Zeit gegeben?" Kyo ließ nicht locker, bearbeitete die Situation beharrlich weiter.
"Wie? Zeit? Einen Versuch eben." Man macht sich ran und startet eine Attacke und kriegt man einen Korb, ist die Sache rum. So sah das jedenfalls Toshiya.
"Genau da haben wir den Punkt. Kaorus Versuche bei Weibern scheitern doch alle und sollte er ernsthaft an ihr interessiert sein, will er mit anderen Taktiken durchdringen. Er macht sich Dies Krankheit zu Nutze, so dass sie gezwungen ist, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Mann, er geht sogar shoppen mit ihr! Merkt ihr das nicht? Damit erhofft er sich, dass sie sich in ihn verliebt, weil er keinen Arsch in der Hose hat, um sie zum Beispiel einfach mal anständig anzugraben!" Mit der Faust auf den Tisch knallend, verschaffte sich Kyo Gehör wie ein Anwalt, der zu seinem berühmten Endplädoyer ansetzte.
Toshiya jedenfalls musste die Worte noch einmal überdenken, während Shinya die Sache jedoch schneller überblickte.
"Könntest recht haben. Kaoru spielt halt mal wieder die Leaderkarte aus. Macht auf verantwortungsbewussten Chef und sie fühlt sich in der Pflicht, sich mit ihm zusammen wegen Die Sorgen zu machen. Voll in seinem Element so, der gute Kao."
"Ja," bestätigte nun auch Toshiya. "Kao nennt sie ihn auch schon. Richtig dicke werden die, wenn wir nichts unternehmen."
"Und was sollen wir machen, um Kaoru aufzuhalten? Ist ja normalerweise nicht schwer auf dem Gebiet der Frauenwelt, aber beim Chefspielen ist er uns eben eins voraus." Hilflos blickte Shinya nun wieder zu Kyo, denn der erschien ihm momentan am kompetentesten.
"Überwachen sag ich." Das war seine Art der Problemlösung.
"Überwachen? Kaoru?" Nicht gerade Toshiyas Lieblingsgebiet.
"Und wie sollen wir das genau machen?" Shinya mochte die Idee auch wenig, aber vielleicht würde sich das dann ändern, wenn er ein paar mehr Details bekam.
"Weiß ich auch noch nicht so genau, aber ich denk mir was aus." Leider war Kyo noch nicht so weit gekommen in seinem ultimativen Plan, was das Aufhalten von Kaoru anging. Doch beim Schlafen hatte er meistens die besten Ideen. "Ich geh erst mal pennen."
"Gute Idee." Shinya hatte echt sämtliche gute Laune verloren und obgleich er nun Kyo zustimmte oder nicht, Daiyana war weg und der Abend im Arsch. Der Drummer wollte nur noch duschen und morgen wieder Angriff nehmen. War einfach das Beste. "Bis morgen dann."
Nickend stand auch Kyo auf mit der Absicht, es dem Schlagzeuger gleich zu tun. Natürlich war er nicht ganz so blöd, wie er sich stellte, denn einen Plan hatte er bereits, doch auch da waren die beiden anderen genau wie Kaoru Konkurrenten und sie würden sich schon selbst etwas überlegen müssen. Überwachen war gut und das würde Kyo auch tun, sobald er am nächsten Morgen wach war. Zu diesem Zweck würde er sich ausnahmsweise auch den Wecker stellen und zwar auf um Sieben! Da stand bekanntlich der Leadgitarrist auf, weil der ein Kaffeejunkie und Workaholic war, dem fünf Stunden Schlaf am Tag wohl reichten, um sein Leben als Oberleutnant der Band anzugehen. Wegen Kyo, gern. Nur Morgen würde auch der Sänger mal eine Ausnahme machen!
"Nacht Toshi."
"Mmh," war die einzige Resonanz des Bassisten, als er zusah, wie der kleine Gesangsprophet langsam verschwand. Alle waren weg, waren allein auf ihren Zimmern, um die Nachruhe anzugehen.
Vollkommen allein.
Genau wie Toshiya.
Kaum merklich war es für das bloße Auge, als die kleine Zahnspange wieder einmal aufblitzte, bevor sich Toshiya langsam und gemächlich von seinem Platz erhob und die Jacke überzog. Dumm war auch er nicht. Ein bisschen angetrunken vielleicht, aber sicherlich nicht so blöd wie seine Bandkollegen, was das Angraben von Weibern anging.
Auf Kaoru musste er keine Rücksicht mehr nehmen, denn es war bereits bewiesen, dass der auch nur an die Wäsche der heißen Daiyana wollte. Und das mit nicht ganz fairen Mitteln! Also warum sollte sich Toshiya das nicht auch gönnen? Angriff war noch immer die beste Verteidigung.
Was Kyo und Shinya anging, das war weniger interessant für Toshiya. Sie saßen alle im selben Boot und wer zuerst kommt, der malt bekanntermaßen zuerst.
Und heute Nacht würde es der große Bassmeister sein!
Bevor Die auch nur ernsthaft ans Schlafengehen dachte, zog er seine Stiefel aus, knallte sich in voller Montur aufs Bett und zündete sich eine Zigarette an. Himmlisch wie sich das Nikotin in seine Lunge bohrte. Frausein fand er durchaus interessant. Wie ein Blick hinter die Kulissen. Oder unter den Rock. Er könnte hierauf seine späteren Versuche bei Weibern zu landen vielleicht noch aufbauen. Wobei das nicht wirklich nötig war, denn seine Freunde aus der Band stellten sich seiner Meinung nach einfach nur dämlich an.
Fast aufgeraucht hatte er, als es an der Tür klopfte und im ersten Moment fiel ihm da eigentlich auch nur Kaoru ein, der wahrscheinlich noch dreihundert Fragen und Sorgen hatte, die er noch mit ihm teilen wollte. Hatte Die ja so gar keinen Bock drauf, aber als gutes Mädchen öffnete er brav die Tür und glotzte in das verzahnspangte Gesicht des Bassisten.
"Was... ist denn?" Er sah schon irgendwie merkwürdig aus, als würde Toshiya den Boden anschauen. Doch täuschte das, denn eigentlich schauten nur seine Pupillen unter den Lidern nach oben. War das sein Schlafzimmerblick? Wenn ja, dann übte er besser noch mal wieder.
"Wollt nur mal schauen, ob du gut angekommen bist," gab Toshiya zurück und stieß sich vom Türrahmen ab, an dem er mit der Schulter lehnte. "War ja nicht so lang, dein Gespräch mit Kaoru, hm?"
"Eh... nö." War ganz offensichtlich, irgendwie. Oder?
Mit einem halbseitigen Lächeln warf Toshiya eine Pranke an die Tür, drückte sie weiter auf und ging ins Zimmer. Automatisch ging Die drei Schritte zurück, leicht genervt, dass er nun auch noch Besuch hatte.
"Umso besser. So können wir uns noch ein bisschen... amüsieren." Das aufgesetzte Lächeln täuschte Die jedoch nicht darüber hinweg, dass Toshiya gerade ein Wort wie ‚amüsieren' benutzt hatte. Was konnte der Bassist eigentlich? Macht der auch mal was richtig? So ging man doch nichts an, was Frauen betraf, wenn man sie flachlegen wollte!
Flachlegen?
Da kam plötzlich so ein Gedanke in Dies Hirn hoch.
Toshiya hingegen kam nicht hoch, sondern nur nah. Einen weiteren Schritt nach hinten konnte Die allerdings auch nicht machen, denn da war die Wand. Wer baute so etwas auch in Hotelzimmern ein?
"Ah, das würde ich gern, aber ich bin todmüde." Schnell schauspielerte Die noch ein Gähnen ins Gesicht, auch wenn sich bereits Sorgenfalten auf seiner Stirn abzeichneten. Ach du Scheiße. Hier kam nichts Gutes bei raus.
"Ach, komm schon. So müde siehst du gar nicht aus," ließ Toshiya verlauten in einer süßlich klingenden Stimme, die Die wohl eher die Zehennägel nach oben rollten.
"Aber- aber-" Panik stieg hoch dem Rotblonden. Wie nah wollte Toshiya denn noch rankommen? Flucht nach vorn war unmöglich und hinter ihm noch immer die Wand. Er konnte sogar schon die Poren in Toshis Gesicht erkennen. Er würde ihn doch nicht...?
"Ich muss weg!", platzte es letztlich heraus, als sich ein Paar feindliche Lippen in Richtung Dies Gesicht bewegten. Zur Seite kam er raus! Warum war Die nicht gleich darauf gekommen? Einmal kurz ducken und unter Toshiyas langen Greten durch. Dann schnell ab zur Tür!
"Wo willst du denn hin?", fragte der Bassist schmollend und verzog beleidigt das Gesicht.
Gute Frage für Die, denn das wusste er auch nicht. Weg hier eben! Denn auf Toshiya hatte er echt keine Lust, schon gar nicht auf eine Begegnung sexueller Natur. Nur wie sagte man es einem Kerl, ohne ihn dabei zu sehr vor den Kopf zu stoßen? Nicht, dass sich Die sehr darüber Sorgen machen würde, aber dann hätte vielleicht der ganze Spaß ein Ende und er bekäme nichts mehr spendiert, wenn seine Abfuhr die Runde machte.
Oder was, wenn Toshi ihn auslachen würde? Das wäre ja noch schlimmer! Und ihm die Wahrheit zu sagen, war schon mal gar keine Option. Nie im Leben würde Toshiya ihm JETZT noch glauben, dass Die gar keine Frau war, sondern eben einfach nur Die, der zweite Gitarrenonkel in der Band.
"Ach äh, ich muss nur kurz weg." Raus eben.
"Gut, ich warte hier," rief Toshiya mit einem Lächeln nach und setzte sich aufs Bett. So einfach würde er sich hier nicht verdrängen lassen! Dass das mal klar war. Daiyana würde schon noch einsehen, dass sie sich um nichts anderes kümmern musste, als dass sie und Toshi eine schöne gemeinsame Nacht verbringen.
Kaum Sekunden später stand Die bereits auf dem Gang. Hinter ihm die Tür war sicher zu. Doch er war auf dem Flur und Toshiya im Zimmer. Wohin jetzt? Zurück ins Zimmer auf gar keinen Fall.
Zu Kaoru. Genau! Der allwissende Kao würde ihm helfen - wie immer.
Was konnte nach einem anstrengenden Tag schöner sein als eine heiße Dusche vorm Schlafengehen? Sex! Aber den hatte Kaoru das letzte Mal an seinem dreiunddreißigsten Geburtstag und das nur, weil er zu betrunken war, um das fremde Mädchen von ihm runter zu jagen. Wo die hergekommen war, konnte Kaoru heute noch nicht sagen, geschweige denn ihren Namen. Und dass sie wohl Sex gehabt hatten, wusste der Bandleader auch nur von ihrer Freundin, die ihm in Zusammenhang mit einer Ohrfeige verdeutlicht hatte, dass er besser die Finger von der jungen Dame ließ.
Das Leben ging schon merkwürdige Wege. Was machten unbekannte Frauen überhaupt auf seiner Geburtstagsfeier? Er wollte doch gar keinen Sex mit Fremden. Wegen der Chlamydiengefahr verstand sich. Da kam so eine wolllustige Lesbe über ihn und am Ende war er noch der Dumme. Aber jetzt war nicht die Zeit um darüber nachzudenken, denn Kaorus Ohren vernahmen vehementes Klopfen an seiner Zimmertür.
Schnell wickelte er das Handtuch um seine Hüften und versuchte, sein frisch geföntes Haar zu legen, bevor er zaghaft einen Blick durch den Türspalt wagte.
"Die?" Die Frage war nicht wirklich, ob er es war, sondern warum schon wieder.
"Ja, wer sonst? Schnell, lass mich rein." Leicht hibbelnd schob sich das rotblonde Geschöpf ins Innere des Zimmers direkt in Kaorus Arme, blickte zwei Sekunden lang in dessen Augen und stieß sich dann innerhalb einer Drehung wieder ab, um so an ihm vorbei zu den Zigaretten auf dem Tisch zu gelangen. Erst mal rauchen!
"Was denn los?", nuschelte Kaoru bereits seinen Automatiksatz, während er den Kopf schüttelte, um seine Trance zu verlassen, in die ihn Die vorübergehend geschickt hatte. Hatte der schon immer so haselnussbraune Augen gehabt? Auf jeden Fall benutzte er nicht mal dasselbe Aftershave. Mehr so ein süßlich leichtes Damenparfüm.
"Toshiya ist los! Ich glaub, der will mich flachlegen." Die nahm einen hastigen Zug und strich sich die Haare aus dem Gesicht.
"Ach nee." War Die so dämlich oder tat er nur so? Klar wollte Toshiya ihn flachlegen. Alle wollten das. Mal abgesehen von Kaoru, denn der wusste ja, dass Die eigentlich ein Kerl war. Nur wenn er es nicht wüsste...
"Doch! Kannst dich gerne selbst von überzeugen. Toshiya sitzt drüben in meinem Zimmer auf dem Bett und... boah Kao! Ich geh da nimmer rein, das sag ich dir!" Allein der Gedanke mit Toshiya eine Nacht zu verbringen löste Brechreiz aus in Die.
"Aber-" Weiter kam Kaoru nicht, dann brauchte er eine Denkpause. Warum konnte sein Freund auch nie etwas von Vorne erklären? "Was macht der denn dort überhaupt? Als ich dich hochgebracht hab, war er jedenfalls noch nicht da."
"Ja Mann!" Als wäre der Herr Niikura brothohl, schaute Die ihn an und schüttelte den Kopf. "Es hat geklopft, ich mach auf und schon war er drin. Und nun geht er nimmer raus! Und ich geh nimmer rein, solange der da ist. Ne, echt mal, Kao. Du musst was tun. Der... der wollt mich küssen und so." Allein der Teil, Kaoru das mit dem Küssen zu erzählen, kostete Die viel Überwindung. Passieren konnte so etwas, aber man(n) sprach es nie aus. Selbst wenn es gar nicht wirklich passiert war.
"Und was soll ich machen? Sag ihm doch einfach, dass du keinen Bock hast, ihn zu küssen... und so." In diesem Punkt waren sie sich einig. ‚Und so' war genug Bezeichnung dafür, was nach dem Küssen alles so passieren konnte.
"Nee, das geht nicht. Ich will da nicht mehr rein. Der ist doch angetrunken. Stell dir mal vor, ich sag dem das und er macht sich nichts draus? Oh Gott, ich krieg jetzt schon Ausschlag!" Vorsichtig fingerte sich Die übers Gesicht. "Sag, hab ich da Flecken?"
"Ja... nee!" Ganz durcheinander wurde Kaoru von dem Gelaber. Verstehen konnte er den anderen ja durchaus, aber darum wusste Kaoru dennoch nicht, was genau er nun machen sollte. "Und jetzt soll ich es ihm sagen oder wie? Meinst du, mir glaubt er das?"
"Zumindest wird er nicht versuchen dich abzuknutschen!" Das war doch mal ein Argument. "Schmeiß ihn halt raus."
"Haha. Sehr witzig." Soweit sich Kaoru erinnern konnte, war Toshiya acht Zentimeter größer als er, kräftiger gebaut und notgeil. Die Geilheit eines Mannes trug wesentlich dazu bei, Kräfte zu mobilisieren, wie man sie sonst nur in Todesangst hervorbrachte.
"Schön, dann eben nicht." Damit setzte sich Die aufs Bett, schlug die Beine übereinander und verschränkte die Arme. "Bleib ich eben hier."
Sich die Stirn reibend dachte Kaoru nach. Blieb ihm wohl auch nichts anderes übrig. Rauschmiss war keine Lösung, aber Die hier zu behalten auch nicht wirklich. Wo sollte denn Kaoru dann bitte hin? Wohl kaum konnte er in Dies Zimmer schlafen, wo doch Toshiya dort war. Und Toshiyas Zimmer fiel auch aus, da es gut möglich sein konnte, dass der auf die Idee kam, sein eigenes Zimmer doch noch zu nutzen. Wie sah das dann wohl aus, wenn plötzlich Kaoru sein Lager dort aufgeschlagen hatte?
"Ich red halt mal mit ihm." Was auch sonst konnte er tun? Einen Versuch war es wert. Seufzend angelte er sich etwas zum Anziehen aus seiner Tasche und kehrte Die den Rücken, während er das Handtuch fallen ließ, um in die Unterhose zu klettern.
"Boah Niikura, kannst du deinen Arsch nicht woanders hin entblößen?" Eigentlich war Die das egal, aber sich einen Spruch zu verkneifen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Er liebte es eben, den Älteren zu piesacken, wusste er doch um dessen Hang zur Unbehaglichkeit bei Nacktheit, um es mal formell auszudrücken.
"Hast du was gegen meinen Arsch? Glotz halt nicht hin!" Knurrend strampelte sich Kaoru in eine Hose und vermied Augenkontakt zu Die. Ihm war schon klar, was der da versuchte, aber momentan hatte der Leader so rein gar keinen Sinn für verbale Spielchen.
"Ich versuche es, aber dein Teint STRAHLT mich an. Du bist schuld, wenn ich blind werde." Es machte Die einfach viel zu großen Spaß mit dem kleinen Kao. Da vergaß man glattweg seine eigenen Probleme, wie riesige Bassmänner, die einem im eigenen Zimmer auflauern wollten.
"Ach, halt doch den Mund." Nachdem sich Kaoru auch ein T-Shirt übergeworfen hatte, verließ er schleunigst das Zimmer. Die konnte ihn mal kreuzweise! Kam um Hilfe bettelnd hier an und machte sich noch über den Leaderhintern lustig. War das zu fassen? Schließlich kam es von Die, der nicht mal so etwas wie ein Hinterteil besaß.
Sprach der Neid aus ihm? Höchstwahrscheinlich schon.
Wenig später stand Kaoru vor Dies Zimmertür und klopfte, bis dass ein skeptisch schauender Bassist die Tür öffnete.
"Endlich! Das hat aber-" Sein Blick verfinsterte sich, als er seinen neuen Erzrivalen anstarrte. "Ach. Was willst du denn hier? Daiyana ist nicht da."
Einen Augenblick lang brauchte der Gitarrist um sich zu sammeln auf die Begrüßung hin.
"Wo ist sie denn?" Zunächst versuchte er Toshiya lieber zu entlocken, ob der überhaupt wusste, wo sich Die gerade aufhielt.
"Geht dich das was an?", schoss der andere zurück und grinste einseitig fies, ohne die Tür auch nur einen Millimeter weiter zu öffnen. Kaoru sollte mal schön draußen bleiben! "Aber bevor du an Neugierde stirbst, will ich mal nicht so sein. Daiyana ist nur kurz weg um etwas zu besorgen, verstehst schon, und ich warte hier auf sie. Kannst dir vielleicht vorstellen, was wir noch vorhaben. Also wenn's dir nichts ausmacht...?"
Verpiss dich. Damit würde der Satz enden, wenn Toshi nicht so ein freundlicher Zeitgenosse wäre. Da er aber seinen alten Kumpel und Vorgesetzten nicht beleidigen wollte, appellierte er an dessen Verstand und Einsicht.
Am liebsten jedoch hätte sich Kaoru den Kopf gegen die Wand gerammt.
"Ich glaub ja nicht, dass sie wiederkommt," warf er darum mal so ganz trocken zwischen sich und den Größeren.
"Warum nicht, hm, Kaoru?", fauchte Toshiya zurück und genoss das innere Kopfkino, in dem er das Hirn des Bandleaders yakuza-slashig durch die Luft wirbelte.
"Naja, vielleicht... möchte sie nichts von dir?" Bei aller Menschenliebe, aber war es eigentlich möglich, dem anderen klarzumachen, dass es keinen Sinn haben würde, hier auszuharren und auf Daiyana zu warten? Der war doch so voll verblendet, dass alles, was Kaoru sagte, für ihn eh nur Schwachsinn war. Leider aber konnte Kaoru so Vieles nicht erwähnen, was Toshi wirklich von seinem Trip runterbringen würde. Es war ein Teufelskreis.
"Aber von dir, was? Hör mal zu, Kaoru. Meinst du, es checkt keiner, was du hier machst? Ich hab dich schon lange durchschaut! Wenn du aber zu dämlich bist, bei ihr zu landen, dann zieh keine Show ab, sondern verpiss dich einfach und lass die richtigen Männer ran. Von wegen, du willst nichts von ihr... Da lachen ja die Hühner." Am Ende der Rede grunzte Toshiya überlegen und seine Lippen zogen sich zusammen zu einer schmalen Linie.
Das ließ den Bandleader allerdings erst mal schlucken.
"Ich will auch nichts von ihr." Wie auch? Sie war ein er und zwar Die! Und was zur Hölle meinte Toshiya damit, dass er ihn durchschaut hätte? Dass Daiyana eigentlich Die war, konnte Toshi wohl kaum wissen. Glaubte der wirklich ernsthaft, Kaoru würde versuchen ihn auszuspielen, um selbst zum Zug zu kommen? Aber-
Die! Es war doch Die! Hilfe, so ging das ja mal gar nicht.
"Ich finde nur, dass wir sie nicht so überfallen sollten. Keiner von uns... euch. Also weil... Sie ist doch hier wegen Die und alles, an das ihr denkt, ist, sie flachlegen."
"Schon klar, Kaoru. Du willst nichts von ihr und wir sollen die Finger von ihr lassen. Passt doch perfekt." Toshiya war felsenfest überzeugt, dass auch diesmal der andere nur versuchte sich herauszuwinden. Aber auch er war kein Engel, das war klar.
"Oh Mann, Toshiya. Glaubst du doch wohl selber nicht. Ich..." Und hier verließen sie ihn. Was sollte Kaoru seinem Gegenüber denn noch sagen, ohne schlichtweg die Wahrheit in Umlauf zu bringen?
"Du, was? Immer nur du, ganz genau. Nur jetzt bin ich an der Reihe und du-" Die Tür einen größeren Spalt weit öffnend, trat der Jüngere einen Schritt vor und schob den Bandleader leicht zurück. "-verpisst dich jetzt besser. Daiyana ist schon erwachsen, Kaoru, und darum entscheidet SIE auch, mit wem sie das Bett teilt - und nicht DU."
Da blieb einem die Spucke weg! Nur andererseits war dem Leader auch so ein bisschen zum Lachen zumute. Ironie? Denn Toshiya jedenfalls schien der Letzte zu sein, mit dem Die sein Bett teilen würde und umgekehrt wäre es wohl auch so, wenn Toshi nur die Wahrheit kennen würde.
"Und jetzt entschuldige mich." Damit knallte er ihm die Tür vor den Nase zu und ging wieder zurück zu Daiyanas Bett. Leider lagen hier aber nur Sachen von Die, ein paar Einkaufstüten und Zigaretten. Wenigstens Letzteres versüßte Toshiya die Wartezeit.
So ging der allwissende Bandälteste unverrichteter Dinge wieder zurück in sein Zimmer. Es war doch zwecklos. Er könnte dem Bassisten sonst was erzählen und er würde Kaoru kein Wort glauben. Nur Die konnte die Sache richtig stellen, ihm sagen, dass er keine Lust hatte, sich mit jemanden von ihnen einzulassen, und somit wäre doch alles geklärt, oder?
"Und? Ist er weg?", fragte Die hoffnungsvoll vom Bett aus, auf dem er es sich bequem gemacht hatte, um seine Füße zu entspannen. Stiefeltragen sah gut aus, war aber anstrengend.
Kaoru schüttelte jedoch leider den Kopf. "Kannste knicken. Er glaubt stattdessen, dass ich was von dir will und neidisch bin."
"Was? Wieso das denn? Sag mal, was erzählst du dem denn? Oder willst du echt was von mir?" Da vertraute man Kaoru und der ritt einen noch tiefer in die Scheiße.
"Nein!" Allein der Gedanke war schrecklich, auch wenn die Frau da auf dem Bett wirklich heiß aussah. "Ich hab ihm doch nur versucht zu erklären, dass du nichts von ihm willst. Aber er glaubt wohl, ich sag das aus Neid. Wie auch immer, wenn du willst, dass er abhaut, musst du ihm wohl schon selber sagen, dass du nicht auf ihn abfährst."
Langsam setzte sich Kaoru auf die andere Seite des Bettes, Handflächen auf den Knien, in ihm eine seltsame Ruhe, als hätte er den Punkt bereits überschritten, an dem jeder andere übergeschnappt wäre. Stattdessen tobten die Wellen der wilden See gerade woanders, aber sicherlich nicht in ihm. War er vielleicht einfach nur erledigt und müde?
"Vergiss es," war Dies erster Impuls. "Ich hab... Angst."
Wie in Zeitlupe drehte sich der Ältere nach ihm um und schaute fragend. "Angst?"
"Ja, Angst. Hast du eigentlich eine Ahnung, wie ich mich fühle? Als Kerl bin ich anderen überlegen in Größe und allem, ja? Nur als Frau... Mann, ich bin so klein und... zierlich irgendwie. Das ist voll ätzend. Ich hatte echt Panik, als Toshiya da vor mir stand. Der war so riesig und ich irgendwie nur so... schwach. Also ja, schau ruhig blöd, aber ich hab Angst. Darum geh ich da nicht mehr rein, mir egal, was du denkst." Mal tatsächlich auch zuzugeben, dass man auf Kaoru wirklich angewiesen war, weil sich Die schlichtweg nur bei ihm zum jetzigen Zeitpunkt sicher fühlte, das war schon nicht unbedingt das Angenehmste. Scherze über Kaoru zu machen, das war Dies Welt. So drückte er eben seine Bruderliebe aus. Nur jetzt war alles so anders und Die, der war eine Frau und die hatte eben echt Schiss, wenn riesige Bassisten mit ihr Knutschen wollten.
Nein, vorstellen konnte Kaoru sich das nicht. Wer hatte denn schon Angst vor Toshi? Der war ein riesiger Tollpatsch, aber... mehr auch nicht.
Andererseits kannte Kaoru nicht die Seiten am Bassisten, wenn es ums Flachlegen von Weibern ging und eigentlich wollte er das auch gar nicht wissen. Hatte Die echt Angst, dass er ihn vergewaltigen könnte? Doch nicht Toshiya.
Dennoch war er eine dreiste Sau. Erst machen, dann denken. Darum waren Dies Ängste vielleicht doch nicht ganz unbegründet. Woher sollte aber Kaoru wissen, wie der sich im Frauenkörper fühlte?
"Und was wird jetzt? Willst du hier bleiben?" Viel zu erschöpft war er eigentlich um Die weg zu jagen, doch das bedeutete ja nicht, dass Die auch nur solch geringe Ansprüche an Kaoru und deren Nachtlager stellte.
"Ich geh jedenfalls nicht rüber." Mehr als diese eine Bedingung stellte dieser jedoch nicht.
"Dann musst du dir wohl oder übel das Bett mit mir teilen." Kaoru war nämlich müde. Er wollte nur noch schlafen. Liegen und Augen zu machen. Hier und jetzt. Darum stand er auch auf, zog sich die Hose wieder aus, nur um kurz darauf unter die Bettdecke zu klettern.
"Nicht das Problem," erwiderte Die, denn auf engerem Raum zusammen mit Kaoru zu pennen war nicht das erste Mal, kam schon zwei- bis dreimal im Vollsuff vor, und war von daher auch nicht wichtig. Allerdings war sich Die dessen bewusst, dass er diesmal in einem anderen Körper steckte, der sich die Decke mit Kaoru teilen sollte. "Nur, ähm, kann ich ein T-Shirt von dir borgen? In dem Top kann ich nicht pennen."
Würde ja auch zerknittern und das wäre sehr schade.
"Such dir was aus." Aufstehen würde der Bandleader nämlich jetzt nicht extra noch mal. "Nimm aber ein Helles. Die dunklen brauch ich noch."
"Ja, schon gut," winkte Die ab, kletterte vom Bett und warf schon mal das rote Top von sich, bevor er sich nach unten Richtung Kaorus Tasche bückte. Wo waren da denn bitte helle Sachen? Wollte man Die verarschen?
Verarscht kam sich allerdings nur einer vor gerade. Trug Die einen Stringtanga? Oh Mann! So tiefe Einblicke hatte Kaoru doch gar nicht haben wollen. Gott sei Dank war es schnell vorbei und Die tauchte mit einem weißen T-Shirt wieder auf, welches Kaoru zwar auch gerne trug, aber es war eben doch nur weiß.
"Shit! Wie kriegt man diese verdammten Dinger auf?" Auf welche Art Die in den BH gekommen war, sollte er lieber niemanden erzählen. Doch die Haken am Rücken mussten doch auch irgendwie aufgehen, ohne dass man akrobatische Meisterleistungen hinlegen musste. Hatte er eine Frau vor sich, ging das wie geschmiert, aber doch nicht, wenn er die Frau war! "Och menno! Kao, hilf mir mal."
Flupp, da saß Die auch schon auf dem Bettrand, raffte sich das lange Haar nach vor und wartete darauf, dass Kaoru ihm den BH öffnete. Dieser schluckte schwer, brachte seine zittrigen Finger an den Verschluss und fummelte so gut er konnte daran herum, so dass das Ding endlich aufgehen würde.
"Boah, hast du raue Finger." Das jagte Die ja glatt eine Gänsehaut über den Rücken. Ob er auch so raue Fingerkuppen vom Gitarrespielen hatte? Eigentlich fühlten sich seine noch ganz nett an, anders als Kaorus, die waren wirklich wie Leder.
Endlich lösten sich die Haken und Kaoru fiel ein Stein vom Herzen. Das letzte Mal BH-Öffnen war noch länger her als der letzte Sex. Waren seine Finger echt so rau? Ihm hatte das bisher noch nie jemand gesagt, auch wenn er es sich schon hatte denken können. Mochten Frauen das nicht? War es unangenehm?
Seinen besten Bandkumpel als Frau zu haben, wäre vielleicht doch noch erleuchtungsbringend.
"Auch schon ein bisschen aus der Übung, was?", neckte Die und entledigte sich endgültig seines BHs. War ja eigentlich ganz süß, dass Kaoru so ewig brauchte. Er war halt doch ein liebenswerter Trottel. Kaum verständlich, dass es nicht doch hin und wieder Frauen gab, die auf so etwas standen und nicht auf Souveränität beim sexuellen Intermezzo achteten.
Zum Antworten kam Kaoru eigentlich gar nicht, da die Information an sich schon nicht sein Hirn erreichte. Darin spielte nämlich gerade jemand billige Pornomusik ab, während sich Dies nackter Oberkörper nur noch in Zeitlupe bewegte.
Tittenalarm würde der wohl jetzt denken. Soweit kam es bei Kaoru nicht. Wäre zuviel Denksport. Er sah nur nackte Brüste. Und er sah sie noch vorm geistigen Auge, als sie bereits unter dem weißen T-Shirt verschwanden. Warum tat Die ihm das an? Vor Toshiya hatte er Angst und Kaoru scharfmachen galt? Ach ja, richtig, der war ungefährlich.
Stimmte so auch, aber dennoch! Unfair war das!
"Nacht Kao. Heh, wer weiß. Vielleicht wach ich morgen ja schon wieder als Kerl auf." Die jedenfalls war da zuversichtlich. "Und wenn nicht, hast du wenigstens mal ne Nacht mit einer heißen Braut verbracht."
Sich mit dem Gesicht in sein Kissen drehend, Rücken zu Die, grunzte Kaoru eine Antwort und kniff die Augen zu.
Das hatte er doch wirklich nicht verdient, oder?
Die Werbung:
Deutsche Dir en grey Fanfics